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Thüringen: „Made in Germany“ Ade? Unternehmen erwägt drastischen Schritt

Ein Betrieb mit mehreren Werken in Thüringen steht vor einer riesigen Herausforderung – und erwägt einen drastischen Schritt.

© Martin Schutt / dpa

Thüringen: So schön ist das Bundesland

Deutschland hat sich hohe Klimaziele gesetzt: Auch Thüringen ist direkt davon betroffen! Das deutsche Klimaschutzgesetz legt fest, dass klimaschädliche Emissionen bis ins Jahr 2030 um 65 Prozent reduziert werden sollen – bis 2040 sogar um 88 Prozent.

Dass das an der Thüringer Industrie nicht spurlos vorbeigeht, liegt auf der Hand. Einen besonderen Traditionszweig treffen die Klimaziele aber besonders hart. Droht jetzt eine wirtschaftliche Katastrophe?

Thüringen: Klimaneutral nicht ohne Risiko

Die Glasherstellung in Thüringen hat eine lange Tradition – hat aber gleichzeitig auch einen immensen Energiehunger. Jetzt soll die gesamte Branche klimaneutral werden. Ob das zu schaffen ist, steht allerdings in den Sternen! Denn das ist aus Sicht eines Branchen-Schwergewichts sei nicht nur mit hohen Kosten, sondern auch mit enormen Risiken verbunden, sagte Oliver Wiegand, Chef von Wiegand-Glas. Das Unternehmen betreibt auch mehrere Werke in Thüringen. Es müsse demnach noch viel geforscht und entwickelt werden, da die Kosten für die Umstellung sehr hoch seien.

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De Stromversorgung sei darüber hinaus noch nicht sichergestellt. Der Zeitplan einer Klimaneutralität bis 2040 sei daher „sehr ambitioniert“. Nach eigenen Angaben ist der Glas-Gigant für etwa ein Viertel der bundesweitern Produktion an Glasbehältern verantwortlich. „Wir haben ein hohes technisches Risiko“, so Wiegand. Denn die nötigen Anlagen dafür gebe es noch gar nicht.

Hohe Investitionen für Schmelzwannen

Für die klimaneutrale Glasproduktion braucht es elektrisch betriebene Schmelzwannen – und deren Energiehunger muss erst einmal gestillt werden. Die Stromversorger bräuchten fünf bis zehn Jahre Vorlauf, bis der nötige Strom verfügbar wäre, sagt Wiegand. „Alles, was wir in der Zeit investieren, wird also noch auf fossiler Basis sein, weil der Strom nicht verfügbar ist“, erklärt der Geschäftsführer. In eine Schmelzwanne investiere das Unternehmen schlappe 100 Millionen Euro, schätzt der Unternehmer. Bis sich das rentiert, müsse sie etwa zwölf Jahre laufen.


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Ob überhaupt genug Strom verfügbar sein wird, sei darüber hinaus unklar. „Wenn wir die Schmelzwannen rein elektrisch beheizen und das Glas flüssig ist, dann haben wir ein Problem, wenn der Strom für eine Stunde oder länger ausfällt. Dann sind die Schmelzwannen zerstört.“

Der gesamte Investitionsbedarf beläuft sich auf „mehrere Milliarden“. Bei einem Umsatz (nach eigenen Angaben) von etwa 750 Millionen Euro im Jahr, muss das erst einmal wieder eingespielt werden. „Bis jetzt ist uns noch kein Förderprogramm in Deutschland über den Weg gelaufen, das nur annähernd den Finanzbedarf abdeckt“, stellt Wiegand fest.

Bisher ist bei Wiegand-Glas noch vieles „Made in Germany“. Ob das so bleibt, steht aber in den Sternen. Zitat: „Wir haben uns noch nie so viele Gedanken über Investitionen außerhalb der EU gemacht, wie in der vergangenen Zeit.“

(dpa/nas)