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Mit diesen Bräuchen wird im Freistaat Pfingsten gefeiert

Mit diesen Bräuchen wird im Freistaat Pfingsten gefeiert

Pfingstfeuer
Pfingstfeuer werden im Mai 2016 entfacht. 50 Tage nach Ostern wird Pfingsten gefeiert. Viele konfessionslose Menschen können damit nichts anfangen, Pfingstbräuche werden dennoch gepflegt. Foto: Matthias Bein/dpa

50 Tage nach Ostern wird Pfingsten gefeiert. Viele konfessionslose Menschen können damit nichts anfangen, Pfingstbräuche werden dennoch gepflegt.

Der kirchliche Hintergrund des Pfingstfests ist nach Einschätzung von Volkskundlern vielen Menschen heute ein Rätsel. „Die meisten wissen vermutlich nicht mehr, warum Pfingsten gefeiert wird“, sagt Pauline Lörzer, Volkskundlerin vom Stadtmuseum Camburg (Saale-Holzland-Kreis). Dennoch würden in Thüringer Orten regionale Pfingstbräuche gepflegt, die meist mit anderen Frühlingsbräuchen verbunden seien. Dazu gehören etwa Traditionsfeuer und Brunnenfeste, die an die Säuberung der Dorfbrunnen – Bornfege genannt – erinnern.

Pfingstfeuer, an denen sich zum Beispiel in Rudolstadt die Menschen alljährlich versammeln, sind laut Lörzer ein Zeichen für die Gesundheit von Mensch und Tier, aber auch für die Hoffnung auf eine erfolgreiche Ernte. Mit vor Sonnenaufgang frisch gesammeltem Pfingsttau wiederum soll sich die Haut reinigen lassen.

Pragmatische Bräuche

Bei Frühlingsfesten würden oft spirituelle Wurzeln und alte heidnische, germanische Traditionen als Ursprung vermutet, sagt Peter Fauser vom Museum für Thüringer Volkskunde in Erfurt. Das treffe allerdings nicht immer zu. Oft hätten die Bräuche einen eher pragmatischen Hintergrund. „Beim Brunnenfest ging es schlicht darum, den Dorfbrunnen zu reinigen, um sauberes Wasser zu haben.“

Heutzutage, da längst jeder Thüringer sein Wasser sauber aus der Leitung beziehe, gehe es nur noch ums Feiern. Auch die Laubmännchen, die Pfingsten mitunter noch immer gebaut und durchs Dorf getragen würden, hätten nichts mit Gotteshuldigung zu tun, so Fauser. Vielmehr seien vor Jahrhunderten so die Steuereintreiber verspottet worden.

Gutes Wetter sorgt für Feierlaune

„Natürlich sind diese Feste, wie alles andere auch, Modernisierungen und Ausgleichsprozessen ausgeliefert“, sagt Fauser. Wo heute etwa große Bierzelte aufgestellt würden, seien vor 200 Jahren Buchenhütten aufgebaut worden, um darin zu feiern.

Hauptgrund für die zahlreichen Feste um die Pfingstzeit sei allerdings vor allem das meist gute Wetter, so der Volkskundler. „Die grundlegende Idee bei den meisten dieser Traditionen ist, gemeinsam etwas draußen zu unternehmen“. Das nutzten auch die Kirchengemeinden, die Pfingstgottesdienste im Freien feierten und dabei von Jahr zu Jahr mehr Zulauf hätten. Christen verstehen Pfingsten es als Fest des Heiligen Geistes, der die Gläubigen verbindet.