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Michael Mittermeier: „Das ist meine Therapie“

Michael Mittermeier spricht im Interview mit dieser Redaktion über seine neuen Shows im BR und ZDF und den Comedy-Nachwuchs in Deutschland.

Mittermeier
© IMAGO/B. Lindenthaler

Lachen trotz Krieg: Michael Mittermeier eröffnet eigenen Comedy-Club in München

Comedian Michael Mittermeier hat am Donnerstag seinen eigenen Comedy-Club in München eröffnet. Sowohl etablierte Künstler als auch Newcomer sollen in den Shows auf der Bühne stehen.

Er gehört zu den erfolgreichsten Comedians des Landes. Mit Shows wie „Zapped!“, „Safari“ oder „Achtung Baby! Live“ begeisterte der Bayer Zehntausende Fans. Nun dürfen sich die Fans von Michael Mittermeier auf gleich mehrere TV-Auftritte des 58-Jährigen freuen.

Im Interview spricht Michael Mittermeier über seine neue BR-Sendung „Mittermeiers Lucky Punch Comedy Club“, den Nachwuchs und ein „sehr schwieriges Thema“.

Herr Mittermeier, wie geht es Ihnen?

Mir geht es sehr gut. Im Moment passieren so schöne Dinge, da kann es mir nur gut gehen.

Was ist denn gerade Schönes bei Ihnen los?

Es ist schon krass, dass ich ab Mitte Juni mit meinem ‚Lucky Punch Comedy Club‘ ins BR-Fernsehen gehe. Wir haben im Oktober letzten Jahres aufgemacht, sind quasi noch ein Küken, aber wir konnten uns ganz schnell in der Szene etablieren. Das macht mich stolz und glücklich, das ist ja nicht selbstverständlich.

Sie geben dort auch jungen Künstlern eine Bühne. Wer wird der neue Mittermeier?

Ich halte nichts davon, zu sagen, das wird der neue X oder Y. Niemand wird wie ein anderer. Wir sind sehr stolz auf unser Line-Up. Ich möchte da auch gar keinen herausnehmen, aber die Szene hat Namen wie Alex Stoldt, Marvin Hoffmann, Fred Costea oder Anal Lucia, das sind Kollegen und Kolleginnen, die vielleicht im Großen noch nicht so draußen sind, aber das sind richtig grandiose Stand-Up-Comedians.

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Werfen wir doch einen Blick zurück und erinnern uns an Ihre Anfänge: War es damals leichter, rasch bekannt zu werden, oder macht die heutige Social-Media-Landschaft das schnelle Bekanntwerden einfacher?

Das ist eine schwere Frage. Bei mir hat es zehn Jahre gedauert, bis ich meinen Durchbruch hatte. Ich habe in diesen zehn Jahren aber auch von der Comedy gelebt. Ich war ein glücklicher Kleinkünstler. Was ich heute toll finde, so möchte ich es formulieren, ist, dass die jungen Comedians die Möglichkeit haben, viel in kleinen Clubs zu spielen, dort ihr Programm auszuprobieren. Durch Insta, TikTok, Facebook können sie sich vorher schon eine Basis erspielen, und so kommen bei ihren Auftritten dann schon mal hundert oder vielleicht auch fünfhundert Leute.

Es ist wirklich cool, dass es diese Möglichkeit gibt, die hatten wir damals nicht. Damals warst du entweder unbekannt, oder hattest das Glück, dass du mal im Fernsehen spielen konntest, und dann haben dich halt viele Leute gesehen. Da war dann aber natürlich auch viel Druck drauf. Wenn es nicht gut lief, war es nicht so toll, wenn dich viele Leute gesehen haben. Ich bin sechsmal bei ‚Wetten, dass..?‘ aufgetreten, bin damit der einzige Stand-Up-Comedian, der das jemals geschafft hat. Wenn fünfzehn Millionen zuschauen – das darfst du nicht verkacken.

Hat sich die Comedy in den Jahren verändert?

Die Comedy verändert sich mit der Gesellschaft, mit den Menschen, mit der Situation, in der wir uns befinden. Vor dreißig Jahren gab es andere Themen als heute. Die Kids heute, das sehe ich auch bei meiner Tochter, wachsen ganz anders auf. Die 16-, 17-, 18-Jährigen … Oh Gott, Instagram, und dann muss ich noch ein Bild posten. Als ich 16 war, bin ich in der Woche auf zehn Gesichter getroffen – wenn es hochkommt. Davon waren ein paar verwandt mit mir. Das sind riesige Unterschiede. Es ist aber nicht besser oder schlechter – es ist anders.

Auch die Sprache verändert sich. Und das ist gut so. Als wir damals das erste Mal das Wort ‚Fuck‘ auf der Bühne gesagt haben, hieß es direkt, die Welt geht zugrunde. Aber wir haben doch nur die Sprache widerspiegelt. Und die jungen Kollegen machen das heute auch.

Gibt es ein Thema, bei dem bei Ihnen der Spaß aufhört?

Nein, die Frage ist nur, wie du das Thema anfasst. Wer mein Werk anschaut, weiß, dass ich thematisch überall hingegangen bin. In meinem Programm „#13“, das gerade ausläuft, habe ich über das Thema gesprochen, dass meine Frau und ich vier Kinder verloren haben. Meine Frau und ich haben vier Babys begraben. Das ist ein sehr schwieriges Thema. Und natürlich ist das erst einmal kein ‚Comedy-Thema‘. Aber ich bin Comedian, ich verarbeite alles, was ich sehe oder was mir passiert mit Comedy. Ob damit jeder etwas anfangen kann, das ist nicht mein Problem. Jeder muss selbst für sich entscheiden, ob er lachen möchte oder nicht. Klar habe ich aus dem Verlust meiner Kinder keine Haha-lustig-Nummer gemacht. Wer das sieht und ein bisschen Gefühl hat, merkt schon – da hat jemand seine Seele heruntergespielt.

Das ist wie bei einem Musiker, es wird bei uns nur mit einem anderen Maß gemessen. Ein Musiker schreibt ein trauriges Lied, weil ein Kind gestorben ist, und alle sagen: Mein Gott, der hat ein tolles Lied geschrieben. Wenn du das als Comedian machst, fragen sich alle: Wie kann denn der eine lustige Nummer machen? Das ist aber mein Ton. Das ist meine Selbstreinigung. Und das ist auch meine Therapie. Ganz klar.



Empfinden Sie diese Unterscheidung als unfair?

Ja. In Deutschland gilt Comedy nicht als hohe Kultur. Ich sage es ganz ehrlich, ich bin seit vier Jahrzehnten auf Tour, ich bin sehr erfolgreich, ich kann überhaupt nicht meckern. Meine Räume sind voll, ich habe meinen eigenen Club und gehe damit ins Fernsehen. Ich kann spielen, wo, wann und was ich will. Ich habe alle Diskussionen durch. Was ich toll finde, ist, dass sich auch die junge Szene einen Dreck darum schert. Die gehen hoch und machen, was sie wollen.

Dass beispielsweise ein Felix Lobrecht in einer Stunde zehntausend Tickets verkauft, einer, der nicht vorher zwei Jahre im linearen Fernsehen durch jede Sendung getingelt ist. Felix hat sich das selbst erarbeitet, über seine Kanäle, Live-Auftritte… Das so einer bei uns im Club gespielt hat, das ist großartig. Ich hoffe, dass noch mehr Comedians kommen, die das tun.

Michael Mittermeier kommt gleich mit zwei neuen Sendungen ins Fernsehen. Am Donnerstag, 13. Juni 2024, feiert „Mittermeiers Lucky Punch Comedy Club“ um 22 Uhr im Bayerischen Fernsehen und in der ARD-Mediathek seine Premiere. Am Freitag (14. Juni 2024) kehrt der „ZDF Comedy Sommer“ mit acht Folgen zurück.